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Die Overtuere war stark. “Ausser der Rolle” ist ein Set von fünf Kurzfilmen wie sie unterschiedlicher kaum sein können.
Ausufernde Gewalt, zerstörerische Freundschaft, zarter Humor, aufrüttelnde Selbsterkenntnis und beklemmende Melancholie. So lassen sich die fünf Kurzfilme überschreiben.

In Blackout gibt sich der Musiker Tom erst der Hoffnung und dann alten Fehlern hin. Und wie es nur im Kino sein kann, scheitert der tragische Held kurz vor dem eigenen Durchbruch so vollkommen, dass mir den Atem raubt.

Mit 30 Minuten der längste Beitrag im Set überrascht Blackout mit exzessiver Gewalt in Form von Kneipenschlägereien. Die Rollen sind glaubwürdig die Schauspieler auch. Die Geschichte ist naturgebenermaßen verdichtet wirkt aber nur selten konstruiert. Ein toller, verstörender Film.

Kalte Haut wirft ein Schlaglicht auf eine ungleiche Mädchenfreundschaft, die just in dem Augenblick zerbricht, in dem der Betrachter die Fäden der Geschichte aufgenommen hat und in den Händen hält.

Sexuelle Ausbeutung und Selbstbestimmung, Freiheitsdrang und Unterwerfung – Gegensatzpaare prasseln auf die Zuschauer ein, verschiedene Erzählstränge, Rückblenden und Einblicke machen ein Folgen nicht leicht. Aber dieser Film will wahrscheinlich auch nicht leicht sein. Gelungen!

Vincent berührt durch einen tiefgründigen, in allen Facetten schillerden Humour und weckte zumindest bei mir Erinnerungen an die Blechtrommel – was allerdings der Erzählerrolle des Kindes geschuldet sein dürfte.

Wenn Erwachsene lügen hat das manchmal überraschende Folgen. Vor allem, wenn diese Lügen in bester Absicht an Kinder herangetragen werden. Ausgewiesene Schildkrötenfans allerdings sollten sich diesen Film besser nicht ansehen. Es könnte zu Spätfolgen führen.

Lebenslauf heisst der Animationsfilm dessen Titel so dicht am Plot liegt, dass überflüssig ist, darüber auch noch ein weiteres Wort zu verlieren. Nach drei Minuten Film folgen 3 Stunden Nachdenken. Das ist mal wirklich effektiv!

Selbsterkenntnis ist im täglichen Trott nicht immer leicht. Wie weit ist man selbst ein treibender Teil des Systems? Mit dieser Frage beschäftigt sich mein persönlches Highlight. Made in Baden-Württemberg, hervoragend in jeder Hinsicht. So konzentiert, so verdichtet – ohne Worte!

Gram erschüttert. Getroffen vom überraschenden Tod des eigenen Sohnes irrt der Astrophysiker im Taxi durch das nächtliche Berlin. Er sucht nach einem Menschen und findet …

So dicht am Denkbaren und doch hautnah in Szene gesetzt, dass es schwer fällt sein Mitleid mit dem geschundenen Schicksal zu verbergen. Wer melancholische Augenblicke im Kino liebt, sollte sich diesen Kurzfilm unbedingt geben. Ich persönlich hasse es, im Kino heulen zu müssen. Das kratzt am Image.

Ausser der Rolle bündelt ein Set von Beiträgen, die es “alle nicht in den Wettbewerb geschafft haben.”
Da frage ich mich als Besucher doch, was mich erst morgen erwarten mag. Denn eines ist sicher: Die 7 Euronen haben sich am Eröffnungstag des 2. Lüchower Open Short-Kurzfilmfestival in jedem Falle gelohnt. Ich bin Kurzfilmfan.

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