Tradtionsbewusst sind die Wendländer. Auch der Nachwuchs. Wie in jedem Jahr wollen die Schüler aus Lüchow gegen den anstehenden Atom-Transport nach Gorleben demonstrieren. Diesmal am 10.November. Anders als bisher hat das Ordnungsamt des Landkreises aber nicht so mitgespielt.

Gut, die Demo ist erlaubt worden. Aber der Zeitpunkt wurde auf das Ende der vierten Stunde gelegt. Damit bringt Vater Staat (denn nichts anderes sind die Vertreter des Ordnungsamtes) die Schüler natürlich in Verlegenheit.

Während der vergangenen Jahre waren die Anti-Castor-Demos der Schüler gut besucht. Laut Elbe-Jeetzel-Zeitung hatten sich bislang bis zu 500 schulpflichtige Jungdemonstranten auf der Langen Straße in Lüchow zusammengefunden. Dabei brachten sie mit Sitzblockaden und “lustigem Zebrastreifenkreuzen” den Verkehr in der Kreishauptstadt zum Erliegen und ihre Meinung zum Castor zum Ausdruck.
Die große Beliebtheit dieser Demo hängt (abgesehen vom Thema) wahrscheinlich auch maßgeblich mit der Uhrzeit zusammen, an der die Veranstaltung angesetzt war: 9.30 Uhr – gegen Ende der zweiten Stunde: Rechnet man den Marsch zum Treffpunkt (Gymnasium Lüchow) und die vorher im Klassenverbund stattfindenden Diskussionen hinzu, springt für die Lüchower Schüler locker ein Tag schulfrei raus.

Diesmal nicht.

Das Ordnungsamt hat sich auf die Schulpflicht berufen und den Termin der Demo auf 11.30 Uhr nach hinten verlegt und trennt damit die Spreu vom Weizen.

Der Anreiz, einen Tag mit Demonstrieren zu verbringen ist dahin und auch “Ãœberzeugungstäter” haben es schwer, den letzten Schulbus zu erwischen. Dieses “schikanöse” Verhalten wird von einer Lüchowerin in einem Leserbrief in der EJZ von heute angepangert.

“Ball flach halten”, finde ich. Denn das Recht auf Demonstration ist ein wertvolles Gut und wert, die eine oder andere Hürde in Kauf zu nehmen. Schon vor 20 Jahren gab es Schülerdemos zum gleichen Thema und ich kann mich noch gut an die Diskussionen erinnern, die im Nachgang geführt wurden:

Auf jeden Schüler der an der Demo teilnahm, kamen zwei oder drei Schulkameraden, die die Zeit für einen Kaffee in der Mühle oder bei Bertram genutzt haben. Diese Diskussionen werden sich die Schüler in diesem Jahr sparen.

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