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Der Podcaster im Allgemeinen ist ein Idealist, ein Spielkind. Neues wird ausprobiert und Altbewährtes wiederentdeckt. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Aufmerksamkeitsschwelle des Hörers nicht gottgegeben nach 1 min, 30 sek endet.

Podcasten ist für jeden Autor erst einmal ein Experiment und dafür ist jedes Thema recht. Es wird über den Kimono reflektiert, das nächtliche Einkaufen in den USA beschrieben oder Grasswurzeljournalismus betrieben.

Das traditionelle Radio ist ganz Ohr und hört mit Staunen die vielen Beiträge, die Woche für Woche aus Deutschlands Wohnzimmern und Büros veröffentlicht werden. Wie die Verantwortlichen in den Funkhäusern, beobachten auch die Podcaster die Szene, stellen Vergleiche an, schließen sich in Verbänden zusammen und sammeln Daten.

Einige nüchterne Zahlen zur potentiellen Zielgruppe:

. . . Bei den 14-19jährigen wurde immerhin eine Quote (welcher Internetnutzer ist Podcast-Hörer, Anmerkung d. Wespennest-Autoren ;-)) von 12 Prozent ermittelt – bei den 40-49jährigen sind es dagegen nicht einmal 3 Prozent. Bei den Inhalten, so die Emnid-Studie, sind “klassische” Medienangebote besonders gefragt. Diejenigen, die Podcasts nutzen, favorisieren Nachrichten (48,6%), Musikclips (40,3%), aktuelle Reportagen (37,1%) und Beiträge Ãœber Computer bzw. Internet (35,1%). Nur 11 Prozent der Podcastnutzer sind an privaten – vertonten – Tagebüchern interessiert.

blogMEDIEN.de » Warten auf den Podcast-Boom

Insgesamt – so kommt die zitierte Studie, die im Auftrag von Werben und Verkaufen (WUV) in Auftrag gegeben wurde zum Schluss- sei von einem ‘Podcast-Boom’ nicht zu sprechen.

Für die Studie hatten die Marktforscher 1.000 Internetnutzer in der so genannten werberelevanten Zielgruppe befragt. Erstaunlich – über 90% gaben an, dass sie Podcasts überhaupt nicht kennen würden.

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Au weia, dachte ich mir beim ersten Lesen. Das ist ja gar nicht toll.

Alles nur ein herbeigeredeter Hype?

Auch in den USA, die dem Vernehmen nach Europa in Sachen Internetnutzung um einige Jahre voraus sind, hat sich der Podcast noch nicht durchgesetzt, schreibt BlogMedien.de und bezieht sich dabei auf eine Studie von Forrester, die im März 2006 ‘veröffentlicht’ wurde (wer bitte zahlt dafür 279 USD??). In der Zusammenfassung der Studie gibt die Autorin Charlene Li den Fokus der potentiell interessierten Hörer preis: das zeitversetzte Hören von klassischen Radioprogrammen.

Kein Wunder, dass das Radio so sehr am neuen Verbreitungsweg interessiert ist.

Während die überwiegende Zahl der deutschen Sender Postcasting als Zweitverwertung vorhandener Inhalte versteht und vor allem Commedy und Nachrichten im Abo anbietet, gehen der RBB und das Deutschlandradio einen Schritt weiter: Sie machen den Podcast zum Thema und stellen die Autoren ins Rampenlicht.

Verbindung zum Radio

Die experimentierfreudigen Podcaster freuen sich und machen fleissig mit. Sei es durch Verlinkung auf die eben erwähnten Projekte oder das aktive zur Verfügungstellen von Beiträgen liefern sie – wenn schon keine Erkenntniss oder Hörgenuss – Stoff zur Diskussion.

31 Beiträge generiert das Blogspiel des D-Radios in der letzten Dezemberwoche und lässt seit November die ‘Community’ Woche für Woche abstimmen. Der Beitrag mit den meisten Stimmen wird gesendet – ganze 5 Minuten Sendezeit in einem ‘Massenpublikum’ reizen die Podcaster zum Mitmachen und sogar zum Kürzen der ursprünglichen Beiträge.
Denn auch wenn Podcasten ganz doll hipp ist – die Reichweiten beschränken sich bestenfalls auf einige tausend Zuhörer. Kein Wunder, dass im Forum des Blogspiels nach mehr Statistiken gefragt wird. Die eigenen Sendedaten lassen sich dank der PlugIns und Seitens der einschlägigen Portalbetreiber gut nachvollziehen. Bei der vom D-Radio gefeatureten Seite könnte da einiges mehr zu Stande kommen, was man der Autor aber nie erfährt.
Beim Blogspiel kam es mir als Teilnehmer so vor, als versenke ich meinen Beitrag in einem ganz tiefen Brunnen. Während ich im Kopf mitzähle und auf den Platsch (Feedback) warte, bekam ich kaum etwas zurück. Meine Rolle ist – spielbedingt – auf Abstimmen und Abwarten beschränkt.

Vielleicht kommt darum schnell der Verdacht von ‘Manipulation’ auf, wenn das Ergebnis so gar nicht mit den eigenen Vorstellungen zusammenpasst. Einschlägige Diskussionen im eben erwähnten Forum beweisen, dass ich mit meiner Einschätzung nicht ganz alleine bin ;-).

Statistik schafft Sicherheit

Welche Zahlen sind denn nun wirklich wichtig?

  • Die Downloadzahlen (Sind leicht zu liefern)
  • Wer abboniert? (Etwas schwieriger)
  • Wie oft wird der Beitrag bis zum Schluss gehört?
    Die Frage, ob ein Beitrag bis zum Schluss gehört wird, lässt sich nicht beantworten. Technisch gibt es da meines Wissens nach noch keine praktikable Lösung.
  • Von weiterem Interesse könnte sein, wie oft der Podcast zitiert, kopiert oder ggf. auf anderen Seiten veröffentlicht wird.

Eine etwas ausführlichere Variante bringt Alex Wunschel (dessen Tellerrand im Ãœbrigen mein allererster Podcast war ;-)) in seinem 92. ‘Blick über den Tellerrand’.

Für mich ist es vor allem schön, wenn sich die paar Hörer meiner ersten Versuche zu Kommentaren überwinden.

Denn letztendlich ist jede Folge in diesem Stadium vor allem eines: der Versuch die Balance zwischen Bestpractise und Experimentellem zu finden. Dazu kommen diverse Stellschrauben in Sachen Dramatik, Länge, Sprache, inhaltlicher Schärfe, Relevanz in Frage die leider nicht ceteris paribus verändert werden können. Viel Raum zum Ausprobieren und Ãœben.

Nur zum Verbessern der Ergebnisse braucht der Podcaster eben eines: Zahlen.

Links

www.blogspiel.de
www.blogmedien.de
www.forrester.com

www.podcastverband.de
www.tellerrand.de

Mehr zum Thema aus dem Wespennest findet sich in der Sidebar (links) unter Relatet Posts.

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