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Es gibt ihn: den Masterplan für die Entwicklung der Lüneburger Heide und der Elbtalaue. Allerdings: Noch ist er nicht in Gänze öffentlich einsehbar. Nur ein kleines Exzerpt ist vorhanden.

Am 13. März 2007 wurde das ‘Zukunftskonzept’ an den niedersächsischen Wirtschaftsminister Walter Hirche übergeben und der war so freundlich, eine Kopie auch ins Kreishaus nach Lüchow zu schicken; zu Händen des Landrates.

Natürlich war das keine Gefälligkeit, sondern nur recht und billig – immerhin ist der Landkreis einer von elf Auftraggebern des Konzeptes und bezahlt die Musik, die da bestellt wurde.


Erstellt wurde der Masterplan für unsere Region vom ‘Europäischen Tourismus Institut GmbH‘ einer Beratungsagentur, die im Umfeld der Uni Trier angesiedelt ist und seit 1991 nach eigenen Angaben schon 260 touristische Beratungs- und Forschungsprojekte abgewickelt hat. Für unsere Zukunft wurden 2.000 Telefoninterviews geführt und anschließend ausgewertet.

Tenor: Es besteht dringender Handlungsbedarf. Während in anderen niedersächsischen Tourismusregionen der Boom ausgebrochen ist und zweistellige Wachstumsraten keine Seltenheit sind, bleibe sowohl die Lüneburger Heide als auch die Elbtalaue weit hinter den Möglichkeiten zurück.

Zentrale Agentur
Abhilfe soll eine zentrale Vermarktungsagentur schaffen: Landkreise, Städte und Wirtschaft müssten unter Moderation des Wirtschaftsministeriums eine solche schaffen. Damit ‘Wirtschaft’ aber richtig mitmachen kann, muss ‘Wirtschaft’ erst einmal davon erfahren. Schlecht möglich, solange der Masterplan unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert wird. Lediglich einige Stammspieler der Region dürften von der Existenz des Masterplanes überhaupt etwas wissen.

Die private ‘Wirtschaftsinitiative’ Orlando, scheint zu diesen Stammspielern zu gehören. Orlando hat sich nämlich bereit erklärt, 500.000 Euro zu investieren falls die Auftraggeber des Masterplanes weitere 1.1 Millionen Euro bereitstellen. Das entnehme ich der Website von Manfred Nahrstedt, der als Lüneburger Landrat den Masterplan schon im Detail kennt…

Die Region soll außerdem ihre Kräfte in einer schlanken und schlagkräftigen Organisation bündeln. Die Marketing-Bemühungen der Landkreise sollen in dieser Agentur aufgehen, außerdem soll sich die private Wirtschaftsinitiative Orlando beteiligen. “Orlando ist bereit, 500.000 Euro im Jahr einzubringen. Wenn die Landkreise weitere 1,1 Millionen Euro zur Verfügung stellen, dann können wir eine Menge bewegen”, rechnete Quack vor.

Seite von Manfred Nahrstedt

Leider habe ich im Web keinen direkten Link zu dieser finanzstarken Wirtschaftsinitiative gefunden. Es würde mich allerdings schon interessieren, welche Verbindungen zum Europäischen Tourismus Institut bestehen. Kontakte müssen wohl vorhanden sein, sonst wäre die Ankündigung einer Investition in dieser Größenordnung kaum entstanden.

Destinatonen: Elbtalaue oder Heide?
Stärkung von ‘Reiseregionen’ ist das Stichwort, Destination der Fachbegriff. Und diese Destinationen orientieren sich nicht an administrativen Grenzen (wie Landkreisen oder Gemeinden), sondern an Naturräumen. Das ist unbedingt lobenswert und ich kann das aus eigener Erfahrung nur begrüßen: Schließlich überlege ich mir bei einem Urlaub in Thüringen auch nicht, ob ich mich im Landkreis A oder auf dem Gebiet der Gemeinde B befinde. Die Wahrnehmung des Gastes ist das Maß der Dinge.

Soweit so rühmlich das Vorhaben. Die Ausführung ist aber ziemlich schlampig. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg gehört vollständig zur Elbtalaue.

Dumm nur, dass die Nemitzer Heide im Auge des unbedarften Betrachters so gar nicht nach Elbelandschaft, sondern eben nach Heide aussieht. Dumm auch, dass Besucher von Bergen oder Schnega aus die Elbe auch von Aussichtstürmen nicht sehen werden.

Vorschlag zur Güte: Dem Masterplan gehorchend, sollten wir unsere Heidschnucken im Landkreis konsequenterweise einer neuen biologischen Gattung zuführen:

Elbtalschnucken – eine Art niedersächsischer Wolpertinger.

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