So, heute mal ein etwas längerer Post zum Thema Politik – aus gegebenen Anlass.

Während die ganze Welt wegen dem Kampf ums weisse Haus im Politfieber darniederliegt, hat in Hessen ein fieser Virus die Mächtigen befallen: Gewissen.

Die einen haben das Gewissen gerade noch rechtzeitig entdeckt, was den anderen nun richtig Kopfweh bereitet. Als Niedersachse bin ich nun nicht direkt betroffen – aber es betrifft mich doch irgendwie schon. Zum Beispiel durch die dauernden Nachfragen: “Und… was sagst du zu Ypsilanti?”

Keine Ahnung, was ich auf solche Anfragen erwidern soll. Vielleicht: “Prost?”

Das könnte nun nämlich wirklich helfen. Der gescheiterten Fast-Ministerpräsidentin, dem Hessen-Koch und den Grünen und den Gelben. Die einen ersäufen ihren Frust, die anderen ihren Ãœbermut. Denn eines ist mal sicher: Einfacher macht es einem eine angeschlagene Volkspartei nun wirklich nicht.

Was ist denn nun eigentlich schief gelaufen?

Da wurde vor der Wahl etwas versprochen, was nachher nicht gehalten werden kann (die Sache mit der Linkspartei). Das ist nun nicht sooo ungewöhnlich. Immerhin war Wahlkampf und eine jedenfalls (die Dagmar aus Darmstadt) wollte nicht mitspielen.
Das sagte sie gleich und daraufhin hat sie ganz viel Interesse von allen Seiten erfahren. Die Medien hatten ein gefundenes Fressen und die Heide aus Kiel bekam ob ihrer Erfahrung auch wieder etwas Sendezeit. Immerhin fehlte nun Dagmars wichtige Stimme.

Vor solchen Politikern habe ich einen großen Respekt. Schließlich hängen diese Menschen mit solchen Ankündigen ihre sorgsam geplante politische Karriere an den Nagel. Zur nächsten Wahl ist für sie Schluss mit Politik. Das wiederum ist nicht jedermanns (jederfraus) Sache. Immerhin ist das eine oder andere persönliche Finanzierungsmodell eng mit der politischen Karriere verknüpft.

Wer sich, wie die Frontfrau der Verweigerer, gegen die eigene Spitzenkandidatin stellt, bekommt in der Partei kein Bein mehr an den Boden. Dafür sorgt nicht nur die Geschasste. Auch all ihre Wasserträger werden diese Niederlage bis ans Ende ihrer Tage in Erinnerung behalten und Abweichler aufs Abstellgleis manövrieren.

So ist es kaum verwunderlich, dass es bis heute nur eine gab, die sich der Umarmung ihrer Partei verweigerte. Die Botschaft war angekommen – jeder Genosse hatte sie verstanden: In schwierigen Zeiten steht man zusammen! Einigkeit macht stark.

Das ist Parteidisziplin

Hier wird es jetzt spannend:
Solange sich niemand bewegt, ist das mit dem Zusammenstehen auch kein Problem. Schwierig wird es, wenn die ganze Sache wegen der man so rumsteht, erneut in Bewegung kommt. Und genau das ist in den vergangenen Monaten geschehen. Längst nicht jede Bewegung bekommt man mit. Es wabert hin und wabert her – wie ein Schwarm Heringe in der trüben Ostsee verschieben sich Ansichten und Interessen mit jeder neuen Absprache (der sogenannten Parteitaktik). Solange nicht jemand aufsteht und sagt: “Ich nicht” nennt man das “Parteidisziplin”.

Die frisch gewählten Landtagsabgeordneten haben Ãœbung darin. Sie profitierten von dieser Disziplin. Nur so können Wahlkämpfe organisiert werden und die weit auseinander liegenden Flügel der Partei zusammen schlagen und auf diese Art mächtig Wind machen.

Mich würde wirklich interessieren, welchem Zickenterror Dagmar Metzger während der vergangenen Monate ausgesetzt war. Wieviele Machsprüche hat sie wohl beim Gang zur Landtagskantine über sich ergehen lassen? Solche Fragen werden nie gestellt und nie beantwortet. Um eine Ahnung davon zu bekommen, dafür müsste man schon ziemlich dicht dran sein: im Ortsverein, im Bezirk oder vielleicht in der Landtagsfraktion oder etwas privater im Gesangsverein Germania 1894 dem Dagmar Metzger eben auch angehört. Diese Diskretion ist gewollt, sie ist eine Folge der “Parteidisziplin”.

Wenn es aber zur Entscheidung kommt – zum großen Marsch durch die Formalien – dann trennt sich Spreu vom Weizen. Denn auch wenn die Reihen noch so eng geschlossen sind – wenn gleich mehrere nicht mitziehen, kommt die ganze Formation aus dem Tritt. Das ist nicht schön für die Sache aber für den außenstehenden (politikverdrossenen) Zuschauer wie mich durchaus amüsant zu beobachten.

Denn es ist dummerweise so, dass sich unsere Abgeordneten ihrem Gewissen verpflichtet haben – und mit diesem Gewissen ist das so eine Sache.

Denn es gilt abzuwägen:
Parteidisziplin und mit Hurra in eine (vermeintlich) falsche Richtung stürmen oder doch lieber nicht Schuld sein wollen? Schwer zu entscheiden. Vor allem wenn man zum inneren Kreis gehört und zumindest eine Ahnung hat was einem blüht, wenn das Gewissen nicht in die opportune Richtung ausschlägt.

Vier sind nicht mitgegangen. Und sie waren – anders als ein Abweichler aus Schleswig Holstein – mutig genug, ihr Vorhaben vorher mitzuteilen.

Ich breche den Vieren eine Lanze!
Respekt für eine persönliche Entscheidung und Vergebung für das Vergehen, sich nicht schon längst gemeldet zu haben. Es ist nicht leicht, die politische Karriere zu beenden. Und es nicht selbstverständlich, dass die Karriere in einer anderen Partei so einfach fortgesetzt werden kann.

Ach ja – Das Thema “Parteidisziplin” könnte hier bald noch einmal aktuell werden – immerhin sind Castordays im Wendland und das verspricht einiges.

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