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Bekannte Positionen und tiefe Gräben. Das Wendland steht im Bewusstsein von Vielen nur aus Gorleben und ist doch so viel mehr.
Bekannte Positionen und tiefe Gräben. Das Wendland steht im Bewusstsein von Vielen nur aus Gorleben und ist doch so viel mehr.

Jetzt ist alles wieder es war.

Das Wetter ist novembermäßig grau. Es riecht wie immer, schmeckt wie immer und sieht auch aus wie immer. Die grünen, blauen und bunten Eindrücke, die gestern im Landkreis unübersehbar waren, dürften sich im Laufe des Tags aus dem Wendland zurückziehen. Genauso wie die Fernsehkameras.

Mit dem Castor – bleiben wir mal der Einfachheit halber dabei – kamen zig Tausende. Kaum ist er da, geht alles wieder seinen gewohnten Gang. “Haben Sie keine Angst”, fragte gestern ein Reporter. Nein – es ändert sich nix.

Es ist nur ein Zustand ein Stück weit zementiert worden, der hier im Wendland wirklich Angst machen darf. Jetzt sei es Zeit, Gorleben als Endlagerstandort endlich zu akzeptieren, heißt es aus dem Umweltministerium in München. Wer hat denen eigentlich das Wort erteilt?

Auch wenn in den Amtsstuben Umweltministeriums in Hannover noch von einer ergebnisoffenen Weitererkundung gesprochen wird, klingt es doch ähnlich: weiter so! Hat man dort nicht aufgepasst?

Tausende Menschen erleben eine politische Welt, die sich auf die Macht von Hundertschaften gründet. Sie erlebt Regierungen die nichts sehen, nichts hören und die den schalen Beigeschmack mit Zuckerguss überlagern. Dabei wurde nichts unversucht gelassen, den Finger in die offene Wunde zu legen.

Das Einbetonieren auf Straßen und Schienen hat verzögert, Kosten verursacht, Kontroversen erzeugt. Geholfen hat es nix. Die Beteiligten reden nicht miteinander. Sie tauschen Positionen aus, die sich seit 1004 nicht geändert haben: Angst vs. Versorgungssicherheit.

Natürlich kann man Angst nicht wegdiskutieren. Natürlich kann man nicht von heute auf morgen abschalten. Natürlich muss “das Zeug” irgendwo hin. Natürlich will das niemand vor der eigenen Haustür. Natürlich, natürlich.

Und natürlich darf auch im Wendland von Demonstrationsfreiheit Gebrauch gemacht werden. Und vielleicht ist es natürlich, dass über die Grenzen dieser Freiheit unterschiedliche Auffassungen bestehen.

Vielleicht wäre es den Verantwortlichen in Hannover, München, Stuttgart und Berlin lieber, wenn die Atomkraftgegner mit Transparenten um den Dannenberger Marktplatz kreisen. Es wäre aber auch den Gegnern lieber, wenn die Erzeuger des nuklearen Abfalls auf die Hilfe der Hundertschaften verzichten müssten, um ihren Willen durchzusetzen.

Die Gräben sind tief. Wer aber im Graben sitzt, kommt nicht einen Meter weiter nach vorne.

Das Leben ist bekanntlich kein Wunschkonzert und trotzdem sollte endlich damit begonnen werden, Lösungen zu finden. Vielleicht ist das Wendland kein guter Ort für eine solche Lösung. Ich wüsste aber nicht, was dagegen spricht. Hier ist eine Menge Sachverstand vorhanden, auch wenn das nicht immer so gesehen wird.

Ich wünsche mir, dass Gorleben für eine tragfähige Lösung dieses schwelenden Konflikte stehen wird. Irgendwann, vielleicht nicht allzu spät.

Bis dahin: auf Widerstehen.

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