Ob es uns passt oder nicht: In der Familie liegt der letzte Halt wenn der letzte Freund nicht mehr da ist. Anders als bei guten oder schlechten Freunden lässt sich die Familie nicht in den Wind schießen. Sie bleibt immer irgendwie in Sichtweite auch wenn sich die Mitglieder planetenmäßig in Elypsen aneinander vorbeibewegen.

Wir alle gehorchen dabei Gesetzen von Rotation und Beschleunigung und so ist es zu erklären, dass in allen Familien eine gewisse Dynamik steckt.  Dass es dabei – um im Bild zu bleiben – mit schöner Regelmäßigkeit zu ernsthaften Zusammenstößen kommt, ist seit jeher beliebter Stoff für Romane und Filmdrehbücher.

Es ist also nicht so, dass das Thema in irgendeiner Form neu sei – trotzdem nimmt jeder Erwachsene diese Dynamik anders, eben auf seine Art, war.

Familienfeiern sind ein beschleunigendes Element im Familienleben. Taufen, Geburtstage, Konfirmationen und Beerdigungen sind einer großen Zahl von Zeitgenossen willkommener Anlass zum großen Treffen. Ich nenne diese familiären Zeitgenossen Verursacher.

Der Verursacher kennt die Geburtstage und Jubiläen, er begeistert die Familienmitglieder und schafft es irgendwie sie mitzuziehen.

Es gibt aber auch viele Mitläufer. Sie folgen dem Verursacher wie der Mond der Erde folgt. Diese Mitläufer bilden bei Familienfeiern die größte Masse und erhöhen damit die Anziehungskraft auf fernere Mitläufer, sich dem familiären Sternentreffen anzuschließen.

Den Gegenpol zu den aktiven Verursachern bilden wenige, aber entschiedene Verweigerer. Sie sind entweder im anderen Ende des Orbits oder nur umständehalber Ofer ihrer eigenen Trägheit. Mießmacher, Schwarze Schafe für die Einen, Helden oder Unbekannte für die Anderen

Dabei laufen diese Treffen, wie von Franzl Klahn in “Heut ist Familienfeier” so schön besungen, in der Regel nach vorhersehbaren Mustern ab.

Planetenkollision
Mit etwas mehr Abstand wäre das vielleicht nicht passiert. (c) Planeten.ch

Der Mitläufer – nimmt es hin, wenn sich hin und wieder die Famlie ein Stelldichein gibt, bei dem Tante Gertrude immer so schön mit Cousine Gerda zusammen rauscht (siehe Bild). Diese gelebte Toleranz ist auch keine Herausforderung, denn der Mitläufer bekommt davon überhaupt nur selten etwas mit ( …meist im Anschluß vom Partner oder einem Verursacher erzählt). Herr und Frau Mitläufer kümmert sich nämlich nur um einige ausgewählte Familienmitglieder, mit denen die meisten Gemeinsamkeiten seit frühester Jugend bewährt sind und sich für mehrere Stunden als tragfähig erwiesen haben.

Bin ich normal?
Mich interessiert nicht, wer bei einer Beerdigung die wichtigste Rolle spielte oder wer unangemessen viel oder wenig trank. Ich halte mich nicht lange auf mit Diskussionen um Kravattenfarben oder Problemzonen, weil ich davon in der Regel gar nix mitbekomme. Ich kann mich also mit Fug und Recht als Mitläufer bezeichnen. Nicht übermäßig begeistert aber zuverlässig vorhersagbar nähere ich mich Familientreffen immer wieder an.

Wenn sich aber Familienfeiern häufen, schlägt eben das Gesetz der großen Zahl zu. Kein Wunder, irgendwann wird alles zu einer emotionsfreien Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Außerdem ist irgendwann gut, und genug um den einen oder anderen Fixstern gekreist. Meine persönliche Maximalfrequenz von Anlässen liegt bei drei in drei Wochen. Soll heißen: Drei Runden mache ich mit, danach brauche ich Abstand. Viel Abstand. Schon allein um die eigene Bahn nicht nachhaltig zu verlassen und vielleicht ins Trudeln zu kommen. Und kein noch toller Brunch kann mich davon überzeugen, dass mir bei vier Treffen in drei Wochen doch kein Zacken aus der Krone brechen würde.

Doch. Das ist durchaus wahrscheinlich.

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One Comment

  • Eine sehr schöne – phyisikalische Erklärung. Wir sind alle halt nur Energie. Liebe Grüße Heiko

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