Als ich meine Nadel für den 20. gezahlten Jahres-Mitgliedsbeitrag bekam, war die Beziehung schon reichlich gestört. Wären nicht die Leute vor Ort gewesen, ich hätte mein Parteibuch schon lange abgegeben.

Irgendwann zwischen der Europa-Wahl und der Bildung der Berliner Koalition der habe ich den Glauben an die Parteispitze verloren. Dabei ist mir die Idee von Selbstbestimmung, Freiheit und vom schlanken Staat noch immer sehr sympathisch.

Einzig die Aussagen der Fernsehgrößen haben bei mir immer öfter Schleudertraumata vom Kopfschütteln verursacht.

Straßenwahlkämpfe machen nur Sinn, wenn ich mich für die Bundesnasen und ihre Entscheidungen nicht entschuldigen muss. Dass der Kreisverband in für mich wesentlichen Fragen eine eigene Linie gefahren ist und dafür oft genug Prügel bezog, führte bei mir zu einem Gefühl echter Solidarität. Das war das Band, das mich im Verbund gehalten hat. Initiativen wie der liberale Aufbruch um Frank Scheffler und andere haben mir etwas Hoffung auf Genesung meines Verhältnisses zur Bundespartei gemacht.

Minderheitenmeinungen sind Teil des demoraktischen Prozesses. Damit könnte ich leben, wenn die anderen das auch täten. Wenn aber Beschlüsse verhindert und ignoriert werden macht es keinen Sinn, sich weiter zu engagieren.

Die Vorstellung, dass Deutschland mit Bürgschaften ausländische Atomkraftwerke am Laufen hält ist mir so zuwider, dass das Fass voll ist und übergelaufen ist. Zeit für persönliche Konsequenzen.

Nun ist es also soweit. Ich bin raus aus der FDP und habe trotzdem fast ein schlechtes Gewissen. Ich hoffe, das geht vorbei und drücke allen Aufrechten bei den Liberalen die Daumen.

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