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Google ist so groß geworden, dass die Suchmaschine ihr eigenes Gesetz bekommt. Die Lex-Google wurde in dieser Woche vom Kabinett abgesegnet und muss sich jetzt als mögliches Leistungsschutzgesetz vor den Abgeordneten bewähren.

Google vs Zeitungsverlage.
Dieser Kampf wahr vorhersehbar und wird unter Zuhilfenahme aller Tricks und Kniffe von den beiden Interessengruppen ausgefochten. Als aufmerksamer Verfolger der seit langem schwelenden Debatte macht man sich so seine Gedanken, ob das Gesetzesvorhaben der Scheideweg ist.

Sicher ist: Es geht um viele Millionen € Streitwert. “Verteilungsmasse”, genährt vom Blick auf die Werbemittel, die Google den Zeitungsverlegern mit einer cleveren Vermarktungsidee vor der Nase wegschnappte. Dass Google mit den Snippets Seiten füllt auf denen natürlich auch Werbung steht, ist den Verlegern der Größenordnung Burda und Springer mindestens ein Dorn im Auge.

Internetdienstleister und andere Mitglieder der Dotcom-Ökonomie werfen klassischen Medien wie Zeitungen regelmäßig vor, die Zeichen der Zeit verschlafen zu haben und sich nur mit Hilfe von Gesetzen am Markt halten zu können. Dass aber etwa die Googles und Facebooks dieser Welt die Verlage wie Vampire aussaugen, wird meist geflissentlich unterschlagen.

Kommentar der Allgemeinen Zeitung Mainz, Veröffentlicht aufgrund einer Pressemitteilung der Tageszeitung von der Onlineausgabe des Wochenmagazins Focus, gefunden via google-news

Die Verleger betrieben erfolgreich Öffentlichkeits- und Lobbypolitik und scheuen sich nicht, in die Höhle des Löwen zu gehen und dort die Netzgemeinde über deren Kanäle zu erreichen (…die not amused war, wie sich später herausstellte).

Dem gegenüber steht die Frage, ob der ungebremste Fluss von Informationen im Netz einen Wert an sich darstellt, den es zu verteidigen wert wäre. So ist die Koalition der Gesetzesgegner sehr bunt und steht Seite an Seite mit dem Großkonzern aus den USA, der niemals böse sein wollte.

Welche Folgen das LRS in Zukunft haben könnte, zeigt sich beim Perlentaucher, der mir beim Vorbeisurfen mitteilte, dass die Zeitungsredaktionen heute aus Protest gegen das LSR ausfallen würde. Gefolgt von einer Analyse, die in ihrer Sachlichkeit im krassen Gegensatz zu der – sagen wir einmal – angestrengten Form der Zeitungsbeiträge über dieses Thema ausführt:

Die Politiker, die dieses Gesetz beschlossen haben, glauben selber nicht daran. Das zeigen die Reaktionen auf den in vielen Punkten höchst unklaren Gesetzentwurf, die irights.info zusammenfasst: Selbst die Jugendorganisationen der CDU und der CSU sprechen sich hier gegen das Gesetz aus. Sie wissen, dass ihre Parteioberen aus Angst vor der Bild-Zeitung im Wahlkampf einknickten. Aber sie kennen auch die Strafe für solche Gesetze: die Piratenpartei.

via Heute in den Feuilletons vom 30.08.2012.

Perlentaucher

Und dann habe ich – verspätet aber immerhin doch noch den Wir-müssen-reden-Podcast gehört und mir gedacht: Wenn der Schulz von nichts weiß, ist das ein gutes Zeichen ;-)

update.


Eben via twitter durch @timpritlove gefunden: Sascha Lobos Essay dazu, ausnahmsweise nicht beim SPON erschienen.