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Hottehüh!Je länger ich die netzpolitische Debatte in Deutschland verfolge – und das tue ich ja nicht nur als Blogger sondern auch durchaus in den Niederungen der Parteipolitik, innerhalb der Totholzindustrie und als politisch denkender Mensch – desto mehr bin ich davon überzeugt, dass wir uns in einer Phase befinden, die unsere Enkel ähnlich bewerten werden, wie der heute 40jährige westdeutsche Mann (man muss ja vorsichtig sein, auf welchen Wertekanon man sich beruft) den Gedanken an die Freiheit der Cowboys.

Über grenzenlose Weiten treiben Unerschrockene die weidenden Heerscharen von Schützlingen in die gewünschte Richtung und erzählen sich abends am Lagerfeuer Geschichten von zu Hause.

Immer mehr folgten seinerzeit und heute dem Ruf der Freiheit und des Ruhms. Man traf herausragende Schurken, Wilde und heldenhafte Sheriffs. Je nach Drehbuch und Faktenlage kann der Sheriff natürlich auch selbst der Schurke sein. Dem Reiz tut das heute wie damals keinen Abbruch. Den Cowboys folgten die Bars und das Geld, das Vergnügen (Whiskey und Mate) und das Leben bestand aus nix außer der ehrlichen Arbeit und Party.

Dann kam – heute wie damals – der Stacheldraht. Hier die Eingrenzung der ehemals freien Landschaften durch Claims und Wasserrechte, dort Acta, Leistungsschutzrecht, Telekom und Google. Diese realen Grenzen verwässerten die Möglichkeiten, schufen aber zumindest damals die vermeintliche Sicherheit, dass ein durchgeknallter Billy The Kid nicht die örtliche Bank ausraubt.

Echte Helden werden dort und hier schon mal gehängt oder zur Fahndung dead or alife ausgeschrieben. Und was bleibt? Die Erinnerung an eine Zeit der Freiheit, die viel kürzer währte als man es glauben möchte.

Die große Zeit der Cowboys dauerte nur ca. 20 Jahre, etwa von 1866-1886….

…Ende der sechziger Jahre reichte die Bahnlinie schon bis nach Kansas und die Verladebahnhöfe verteilten sich immer weiter Richtung Westen so das die großen und langen Trails nicht mehr nötig waren. Schon Anfang 1880 gab es so viele Rinder, dass der Preis für Rindfleisch fiel. Die Rinderzüchter hatten ihre Sache zu gut gemacht und auch die Nachfrage fiel. Zum anderen breiteten sich Rinderseuchen aus, wie das Texasfieber. Kansas schloss die Grenzen für Vieh aus dem Süden. Dann gab es noch 3 Dinge die den Niedergang des Cowboys beschlossen – Stacheldraht, Schafe und Schnee. Das Eisenbahnnetz breitete sich schnell aus und auch die riesigen Ranches verschwanden nach und nach und wurden von vielen kleineren ersetzt die nur noch kurze Wege bis zur Eisenbahn hatten. Der nachfolgende Mythos vom Cowboy hatte nur wenig mit dessen echten Leben zu tun und ist wohl mehr Saloongerede und später auch Hollywood Phantasie.

Der echte Cowboy war jedoch ein zäher harter und furchtloser Reiter, aber das wissen nur die wenigsten.

via Cowboys – Western Bund e.V. Deutschland.

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