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Seit der Junior im Kindergarten ist, kommt Mann auch öfter mit den Erziehungsmitteln anderer Eltern in Berührung. Dabei erschreckt mich die Selbstverständlichkeit, mit der andere Erziehungsberechtigte ihren Nachwuchs vor der Glotze parken.
Es stellt sich die Frage, wer eigentlich die Verantwortung trägt: die Eltern oder die Sender, die sich ihre Zielgruppe ja sehr genau aussuchen.

Ich selbst bin noch mit einem Pausenzeichen im Nachmittagsprogramm aufgewachsen. Während meiner Kindheit waren fünf Kanäle die natürliche Beschränkung der Wahlfreiheit. Nach der Einschulung durfte ich Daktari schauen – gemeinsam mit der Mutter und meiner jüngeren Schwester, es schadete mir nur bedingt – obwohl..!?

Mit der Erfindung des Kinderfernsehens haben die TV-Verantwortlichen und nicht zuletzt die Politik den Eltern eine große Verantwortung übergestülpt. Eltern wird suggeriert, auf den Spartenkanälen liefe was Kinder interessiert und gut für sie sei. Dabei will ich gar nicht in Abrede stellen, dass sich einige Senderverantwortlichen anfangs alle Mühe gaben, das Programm so schonend wie möglich zu gestalten. Dass aber das Medium Fernsehen per se eine ungute Prägung der kleinen Konsumenten mit sich bringt, ist eine Binsenweisheit. Wer bei Vorschulkindern die Leere im Blick auf den Bildschirm beobachtet, weiß was ich meine. Egal was läuft, egal was eben noch spannend war – die Glotze führt zum sofortigen Verstummen und reglosen Starren.

Viele Eltern meines Bekanntenkreises stöhnen über den sozialen Druck im kindlichen Umfeld. Auch die Kleinen müssen den neuesten Status der Serienhelden kennen. Ob Lillefee oder Spyderman, Feuerwehrmann SAM oder Lauras Stern ist dabei nur am Rande wichtig – Hauptsache Kind kann mitreden. Großartig, wenn dann noch die Merchandising-Industrie zum Weihnachtsfest liefern kann.

Waren die Diskussionen Ende der 90er Jahre noch sehr beschützend, hat sich das Angebot der Sender seit der Jahrtausendwende – nicht erst mit den Teletubbies – doch fließend weiter entwickelt. Heute sendet selbst der öffentlich-rechtliche Kinderkanal wochentags ab sechs Uhr morgens und fleißig durch die Nacht mit der KiKa-Lounge, die (zugegebenermaßen) aber eher für die Erwachsenen taugt.

Auch wenn ich den Ausführungen des Kriminologischen Forschungsinstituts in Hannover in Sachen Spiele gerne widerspreche – Die forschenden Kripobeamten beschäftigen sich doch auch mit dem Thema Kinder und Medien – vor allem unter dem Aspekt der späteren Kriminalkarriere der Kids. Dabei haben sie vor allem die

Durchschnittlich schauen Viertklässler an einem Wochentag 71 Minuten fern bzw. bestimmte Filme und sie spielen 30 Minuten mit dem Computer.

Forschungsbericht 109, KRIMINOLOGISCHES FORSCHUNGSINSTITUT NIEDERSACHSEN E.V.

Media Control stellt auch Zahlen zusammen. Die Untersuchungsgruppe reicht von 3 bis 13 und schaut wochentags zwischen 22 und 24 Uhr fern.

TV-Konsum von Kindern am späten Abend 2011
Grafik entnommen von Statista

Zurück zur Ausgangsfrage: Welche Verantwortung tragen die Eltern, welche Verantwortung tragen die Macher, welche Verantwortung darf den Kindern zugemutet werden?

Der Fernseher ist wie das Spielzeugland in der Geschichte von Pinoccio. Wer sich zu lange dort aufhält, wird zum Esel. Den Schlüssel zum Spielzeugland haben die Eltern hoffentlich unter Verschluss – aber darüber hinaus? Natürlich haben die Fernsehverwantwortlichen und die Politik mit ihre vielen Strukturen (angefangen bei FSK mit ihrer Prüfordnung über die KJM und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) als Betreiber des Spielzeuglandes die schlussendliche Verantwortung.

Bedauerlicherweise bedeutet das nicht, dass die Betreiber auch zur Verantwortung gezogen werden können.

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2 Comments

  • Die Sender in die Verantwortung zu nehmen für ein mehr oder weniger kindgerechtes Programm greift zu kurz. Meine Prognose: käme nichts altersgerechtes, dann würden die Kinder halt vor Talkshows, daily soap und scripted reality geparkt, weil’s so schön praktisch ist.

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