Ist ja komisch – am nächsten Morgen wacht man irgendwie anders auf. Der Kopf tut etwas weh. Aber das ist es nicht. Es ist … so ein Gefühl – zwischen den Ohren.
Es war mir schon seit fünf Jahren ein Bedürfnis – gestern habe ich es getan; mit Jens. Der war willig – es gibt ja hier auf dem Land nicht soviele – und Jens ist total offen. Wir haben uns darauf vorbereitet, ich habe alles genau geplant, das Handtuch nicht vergessen und wir sind nach Hamburg gefahren. Gemeinsam haben wir unsere Unschuld verloren.

Wir sind auf einem Chaos Communication Congress. Dem 30., um genau zu sein. Unser Fahrzeug ist inkompatibel mit dem örtlichen Parkhaus. 1.90m Durchfahrthöhe – keine Chance für den Bus. Egal! Links raus und Alternativen gesucht und dank der führen Ankunft auch gefunden. Ein paar Fußminuten und wir sind endlich zum ersten Mal dabei!

Die Meisten die wir sehen hatten ihr erstes Mal schon lange hinter sich; keine Spur von Nervosität, stattdessen unaufgeregte Selbstverständlichkeit. Für die ist es eher ein Familientreffen.

Und wie bei Familientreffen üblich gibt alle möglichen Teilnehmer: Die Opas erzählen ihre Geschichten vom Krieg, die Nörgler regen sich über über die Manieren der Jungen auf. Da sind die Globetrotter, die keine Gelegenheit zum Reisen auslassen, die Clanmitglieder, die ohne ihre verschworene Bezugsgruppe irgendwie etwas verloren wirken, die Macher, die sich um den Ablauf kümmern und die Neuen – jungfräulich und schüchtern.

Das sind wir. Ich suche zunehmend verzweifelt nach Orientierung. Das CCH ist riesig und ein Labyrinth. Ein Plan auf Papier ist da aber die Beleuchtung schlecht. Ich bin auf eine Lesebrille angewiesen, die ich natürlich zu Hause vergaß!

Menschen, meist Männer, aller Altersgruppen von Hipster bis Skater, Nerds und Hemdkragen. Ich versuche die Rituale zu verstehen und wundere ich mich vor allem über die ausgesuchte Freundlichkeit. Freundliche Gesichter – fast überall.

Der erste Weg führt mich zum Sendezentrum, der Bühne der Podcaster. Zwar gibt es einen Aufruf der Macher an Interessierte, sich zu beteiligen – aber dieses Mal halte ich mich noch zurück und höre lieber zu als das Wort zu erheben.

Ich habe sie vor allem an ihren Stimmen erkannt – die Wikigeeks, deren Sommerpause bis zum nächsten Sommer dauern wird. Holger Klein und Tim Pritlove. Der eine lötet an Laufschrifttäfelchen, der andere konzentriert sich mit Ohrwürmern auf sein iPad. Dennis von der Freakshow war an der Kasse.

Kontakt bekomme ich zu Volker, dessen kleine Box es mir ermöglichen könnte, live auf Sendung zu gehen – eine hübsche Idee, die sich aber nicht so leicht in Gang bringen lässt, wie Volker es gerne vorgeführt hätte. Zwischen IPv4, IPv6 und Nameservern, die irgendwie nicht so tun wie sie sollten verstricke ich mich in Gedankenknoten und verstehe nichts mehr. Ich fühle mein Scheitern und wie mir die Röte in den Kopf steigt.

Mit den Worten “ich glaube ich bin raus” ziehe ich die Ohren ein und verspreche, später noch einmal wieder zu kommen. Um 18.30 Uhr soll die Livesendung beginnen und ich möchte gerne beim Steuern und Regeln über eingeweihte Schultern schauen. Ich bin auch gerne bereit, Themen-Tipps über das Formular für die kommende Sendung zu geben – mal sehen was mir unter die Augen kommt. Dann verschieben sich die Sendung und meine Interessen, ohne sich an diesem Tage wieder zu treffen. Schade.

Was in Erinnerung bleibt: Das Rasberry PI, der Schnellkochtopf mit USB-Anschluss, das NÖ-Theater mit seiner Verfassungsschutz-Aufführung, der Freiburger Professor, der sich sonst immer an der Spitze der Warner sah und sich plötzlich als Kohlenwagen fühlte, der Münchner, der den Congress auf Firmenkosten besucht und das T-Shirt, mit dem 30c3 Logo!

Danke schön, es war toll!

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