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Im Winter an den See? Gibt es eigentlich nicht viele Gründe für – es sei denn der See ist zugefroren.

Das wäre mir eigentlich auch gleich noch egal, hätte mein Nachwuchs nicht einen gleichaltrigen Freund. Der wohnt mit seiner Familie am Gümser See und der ist nun mal zugefroren. So kommt es, dass der ältliche Vater mit der unsportlichen Gattin am Sonnabend Vormittag auf der Eisfläche vor Seedorf steht.

Na schön! Ein lautes Spannungsknacken zwischen Gümse auf der einen und Seedorf auf der anderen Seite schickt den Adrenalinspiegel auf Achterbahnfahrt. Richard zieht den Jungs die Gleitschuhe an und ich gebe mich erst einmal mit der Zuschauerrolle zufrieden.

Erst als Lotti aus Dannenberg zurückkommt und ein paar neue, schicke Schlittschuhe präsentiert, reift der Wunsch es doch wieder einmal selbst zu versuchen. Richards Typ wird von den Hockeyspielern nachdrücklich verlangt. Ich muss ran und raus auf die Spiegelfläche. Ich bewege mich elegant wie ein Pinguin und watschel vorsichtig an den Rand zurück. Dabei spüre ich geradezu den geringschätzigen Blick der Kinder (… und der wartenden Hockeyspieler) im Nacken.

Eigene Schlittschuhe? Hab ich nicht, brauchte ich als Erwachsener auch nie. In Lüchow gab es für uns Kinder nicht viele Gelegenheiten zum Schlittschuhlaufen. Die Jeetzel fror nur an erinnerten fünf Wintern so zu. Die nächste Eishalle ist seit Mitte der 80er in Adendorf und zum Sport bis hinter Lüneburg fahren ist der Liebe zuviel.

Aber so am Ufer des Gümser See stehend und Maulaffen heil haltend – warum eigentlich nicht eigene Schlittschuhe? Ich könnte die Jungs am Schlitten hinter mehr her ziehen, ein paar Kalorien verbrennen und Bewegung an der frischen Luft schadet nicht.

Charlotte hat ein Handy mit der Nummer des örtlichen Sportausstatters zur Hand, Baader hat meine Größe vorrätig, der Entschluss steht fest und eine Stunde später ist mein Konto um rund 80€ leichter.

Kaum dass ich in Seedorf wieder aus dem Auto steige, kommt mir die eigene Sippe auch schon verfroren entgegen und verkündet, dass es für heute genüge!

Von wegen! Jetzt will ich aufs Eis. Großes Hallo am See, Schuhe an die Füße geflanscht – Schnüren war gestern – und die ersten unsicheren Schwung-Bewegungen getan. Ist ja wie Inliner, denke ich mir noch. Nur das Bremsen – das geht anders. Aber wie?

Das Eis ist dank Temperaturen über dem Gefrierpunkt schon recht nass.

Stürze also nicht empfehlenswert… Patsch.

So geht es nicht – dann noch mal anders. Patsch. Nur nicht aufgeben! Einfach immer weiter machen – das ist wie Reiten, man verlernt es nicht!

Vielleicht wenn ich …. RUMMS! Bekäme ich jetzt noch Luft, könnte ich so richtig schön laut und mit allem Anstand fluchen. Aber die ach so gesunde Luft (die oben schon erwähnt zu den verbrannten Kalorien gehört) ist jetzt dummerweise nicht verfügbar. Dafür ist die Hose, die Jacke und die Mütze nass. Ich habe mich mit allem Elan und viel Schwung so einfach mal richtig auf die Fresse gepackt.

Und dann wächst die Vermutung: Vielleicht waren es nicht die mangelnden Gelegenheiten sondern verdrängte Sturzerfahrungen, dass ich als Erwachsener bis heute niemals eigene Schlittschuhe besaß.

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8 Comments

  • Großartig!!! Ich konnte es mir bildlich vorstellen und erinnerte mich an eine Episode meiner Kindheit…meinem Vater ging es wohl ähnlich damals – zwei Wochen Steißbeinschmerzen waren der Lohn ;).

  • Ich ahne nichts Gutes, beim lesen deines Martyriums.
    Konnte auch nie wirklich Schlittschuh laufen und werde das wohl auch nie!
    Wenn man dann natürlich ein Kind hat, welches Spass an dieser doch sehr schmerzhaften Sportart empfindet, hat man als Vater eigentlich schon verloren.
    Ich leide mit Dir! Würde da gerne drauf verzichten… Da gibt es ja noch Schlitten fahren! ????

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