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Ein schreibgewandter Kinderarzt, etwas Medienschelte und fertig ist eine Predigt vor Gläubigen: Die FAZ wird ihrer Rolle gerecht und lässt besagten Kinderarzt eine Binsenweisheit diagnostizieren: Immer mehr Kinder landen beim Therapeuten, schuldig seien die Eltern. Das veranlasst Michael Hauch zu einem Aufruf in der FAZ.

Dies ist kein Plädoyer, nichts zu tun, sondern die Aufforderung an Eltern, Grundschullehrer und Kinder- und Jugendärzte, Kinder bei ihrer Entwicklung individuell und aufmerksam zu begleiten, sie zu stärken, Entwicklungshindernisse zu beseitigen und Ressourcen zu wecken, um ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Ein Arzt empört sich: Lasst die Kinder in Ruhe! – Gesundheit – FAZ.

Wahrscheinlich stimmen viele Therapeuten den Ausführungen des Kinderarztes zu. Ich schliesse mich der Schlussfolgerung ja auch an, kritisiere aber deren Herleitung.

Es vergeht kaum ein Tag bei meiner Arbeit als Kinder- und Jugendarzt, an dem nicht verunsicherte Eltern um Physio-, Ergotherapie- oder Logopädieverordnungen für ihre aus meiner ärztlichen Sicht altersgerecht entwickelten Kinder bitten. Geschickt werden sie vor allem von Grundschullehrern und Grundschullehrerinnen.

Schade dass die aufmerksamen Lehrer(innen) und Erzieherinnen dabei so schlecht wegkommen. Ich bin unserer Katrin jedenfalls dankbar, wenn Sie mir und den Eltern unserer Kindergartengruppe ein profundes Feedback gibt.

Dass die professionellen Kinderbetreuer dabei Lösungswege (zum Wohle des Kindes) aufzeigen, ist bestimmt eher lobenswert als kritikwürdig.
Eltern können sich aus verschiedenen Gründen nur schwer selbst in Frage stellen. Das scheint mir menschlich. Anregungen von vertrauenswürdigen Dritten sind daher richtig und wichtig und – seien wir ehrlich: viel zu selten. Nichts wird schwerer verziehen als Kritik an den eigenen Erziehungsmethoden.

Grundschullehrer und Erzieher wissen, wie stur sich Eltern an die geglaubte Perfektion ihrer Gören glauben können.