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Brauche ich ein Gymnasium in Dannenberg? Meine Schulzeit ist schon ein paar Jahre her. Damals habe ich auf das Gymnasium gut verzichten können. Eine Veranstaltung zum Thema Hochbegabung führt mich auf die Spur einer anstehenden Diskussion über den Erhalt des Fritz-Reuter-Gymnasiums in Dannenberg. Der Versuch einer persönlichen Bestandsaufnahme….

Auch wenn ich kein überzeugter Anhänger des Gymnasiums bin; es fällt es mir schwer, ohne Not die bestehende Schulform durch etwas zu ersetzen, was bei vielen Eltern und unter einigen Fachleuten – sagen wir mal so – wenigstens umstritten ist. So oder so: Es wird derzeit viel Lobbyarbeit betrieben, vorbereitet und verbreitet.

Macht das Gymnasium den Unterschied zwischen einem Dorf und einer Stadt aus? Diese steile These wird durch die Pro-FRG-Seite ins Feld geführt und sollte vielleicht nicht ohne weiteres vom Tisch gewischt werden – zumindest nicht wenn man, wie ich, am Wohl der Stadt interessiert ist.

Und doch: Der vornehmliche Zweck des Besuches einer weiterführenden Schule ist aus meiner Sicht das Erlangen der Hochschulreife. Nicht mehr, nicht weniger. Wünschenswert wäre, dass das in der Schule vermittelte Wissen interessant aufbereitet und später relevant  ist – was leider eher die Ausnahme denn die Regel ist.

Sind das nun Gründe, die für ein Gymnasium sprechen würden? Theoretisch könnte das Ziel auch in einer Gesamtschule erreicht werden, oder nicht? Die Gesamtschule steht für Durchlässigkeit und ist irgendwie moderner.

Allerdings ist Massenbetrieb und Qualität nicht kompatibel. Das behauptet die Mehrzahl jener, die ich auf Gesamtschulen anspreche: Sie winkten genervt ab. Vor allem Bewohner aus NRW und Hessen trauern dem klassischen dreigliedrigen Schulsystem nach. Wer auf Teufel komm raus Schubladen vermeiden möchte, gewinnt nichts, wenn am Ende alles in einen Sack gesteckt wird.

Führer, so heißt es, war alles besser. Früher – das war als ich zur Schule ging?

Ich bin kein Schulexperte, war allerdings im Laufe meiner Schulzeit durch vermeintliche Innovationen der Pädagogik betroffen. Das begann mit der Einführung der Mengenlehre in der Grundschule. Wenn ich mich recht entsinne, waren Lehrer und Eltern gleichermaßen mit dem Lernstoff überfordert.

Neue Konzepte aus dem Pädagogik-Glashaus sind immer mit dem Geschmäckle versehen, dass es eine lebende Schülergeneration ist, die etwaige Fehler im Konzept auszubügeln hat. Das hält aber Landesregierungen nicht davon ab, jeder Sau hinterher zu laufen, die Reform-Experten durch die Schullandschaft treiben. Die jüngste Änderung in Niedersachsen hieß Abitur nach zwölf Jahren und mündete im Chaos. Ich war nicht betroffen und nur Zeuge des Hörensagens.

Nehmen wir mal an, in den frühen 80ern des vergangenen Jahrhunderts war die Schulwelt in Ordnung… Sieht man davon ab dass 1978 die Orientierungsstufe eingeführt wurde, war es wenigstens überschaubar: Es gab einen ersten und zweiten Bildungsweg zur Hochschulreife.

Der erste führte über das Gynmasium.

Wer – wie ich – mit dem Gymnasium nicht klar kam (Lernen, Leben, Lehrer) konnte als praktisch veranlagter Mensch von der Realschule, über eine Lehre (war nicht ganz leicht zu bekommen) und nach einem weiteren Schuljahr die Fachhochschulreife bzw. nach zwei Jahren am Fachgymnasium (gab es in Lüchow erst später), die allgemeine Hochschulreife erreichen.

Ich weiß nicht, wie ein zweiter Bildungsweg im Zuge der integrierten Gesamtschule aussehen kann – eine Alternative ist jedenfalls schwer vorstellbar, wenn das Eine das Andere ersetzt und angesichts gleichbleibend niedriger Schülerzahlen ist Zweigleisigkeit kaum zu bezahlen.

Also gilt für mich bis zum Gegenbeweis die Grundweisheit: Never change a running system.

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One Comment

  • Das ist eine sehr nachdenkliche und gerechte Stellungnahme. Sie regt in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken an und ist in ihrer Verhaltenheit sehr wohltuend.

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