Alle Artikel mit dem Schlagwort: Medien

Etwas bleibt immer hängen

Zugegeben: Der Zeitdruck macht es den Zeitungs-Redaktionen nicht leicht, ethische Aspekte der Berichterstattung abzuwägen. Da gerät ein (weiteres) Mitglied des Parlamentarischen Kontrollausschusses in den Fokus von polizeilichen Ermittlungen und seine Immunität wird aufgehoben. Gefunden wurde im Falle des SPD-Abgeordneten Hartmann: nichts. Wohnungsdurchsuchung: Ermittler finden keine Drogen bei SPD-Politiker Hartmann – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik. Am Ende des Tages bleibt dem Wähler aber vor allem im Sinn, dass die Polizei die Privatsphäre des Abgeordneten unter Lupe nahm. Wo Rauch ist, mag natürlich auch irgendwo Feuer sein, wird sich Michel denken und diesen Gedanken in seine künftige Wahlentscheidung einfließen lassen. Am Ende des Tages stellen sich mir drei Fragen: Warum ist gerade der Parlamentarische Kontrollausschuss gerade jetzt von zwielichtigen Gestalten unterwandert (Niebel, Edathy, Hartmann)? Warum wird am Instrument der Immunität festgehalten, wenn sie ohne grössere Probleme aufgelöst wird? Warum erlauben Polizei oder Staatsanwaltschaft der Presse Einblick in laufende oder anstehende Verfahren?

Lesetipp: Das Duell « Herzdamengeschichten

Gestern war einer dieser wunderbar produktiven Online-Tage an denen ich weiß, dass es Wert ist doch am Ball zu bleiben. Zum Abschluss eines wunderbaren, etwas frischen Sandkasten-Frühlingstages, noch einmal online gegangen, finde ich eine Geschichte auf einem mir neuen Blog (übrigens via Facebook). Es geht um nichts mehr aber auch nichts weniger, als dass, was man aus seinem Vaterdasein macht. Die Quintessents: Und ich bin selbst Papa! „Und ich“, sage ich und hebe meine Augenbrauen dezent an, „ich bin selber Papa.“ Der Junge guckt verblüfft. Dann denkt er nach. Er sieht auf seine Schuhspitzen, er sortiert emsig Steinchen. Dann gibt er endlich auf, zuckt mit den Schultern, wirft mit einen ganz kurzen, fast schon freundlichen Blick zu und sagt anerkennend: „Okay. Das ist auch sehr gut.“ Das Duell « Herzdamengeschichten.

Ganz große Emotion: Schabowskis Zettel

Na, heute schon ferngesehen? Ich bin – ganz anders als viele meiner Bekannten – doch immer noch sehr dankbar, dass es das öffentlich rechtliche Fernsehen gibt. Denn anders als viele meiner Bekannten genieße ich auch die großartigen Dokumentationen, die auf ARD und ZDF (und natürlich den digitalen Derivaten) laufen. Aber dass ich einen Fernsehtipp im Wespennest abgebe, ist doch eher selten. Also: Unbedingt in der ARD-Mediathek ansehen, bevor die Sendung wieder vom Server genommen wird – Schabowskis Zettel, 24 Stunden, die die Welt veränderten: Am 9. November 1989 verlas Günter Schabowski, Mitglied und Sprecher des Politbüros des Zentralkomitees der SED, auf einer live im DDR-Fernsehen übertragenen Pressekonferenz die neue Reiseregelung der DDR. Sie war von hohen Offizieren des Innenministeriums und der Staatssicherheit erarbeitet worden. Entgegen den Vorgaben der politischen Führung hatten die Verfasser die Möglichkeit einer unbürokratischen Aus- und Wiedereinreise in das Papier geschrieben. Dennoch passierte die Reiseregelung unbeanstandet das Zentralkomitee. Egon Krenz persönlich drückte Günter Schabowski den Zettel für die Pressekonferenz in die Hand. Den Machern dieser Doku ist es gelungen, ein Stück Deutschland …

Fake-Account oder: Wenn ich tu als wären wir Du

Twitter ist doof. 140 Zeichen Binsenweisheiten oder Linktipps, viele davon nur kryptische Zeichenfolgen. Zeitverschwendung, der absolut schnellste Zünder für mediale Erdbeben. So geschehen bei der Wahlberichterstattung am vergangenen Wochenende. Ich für meinen Teil genieße im Augenblick diese herrlich, unterhaltsame Mischung aus Information, Themenseismograf oder als reine Unterhaltung. Was ist wichtig, was ist lustig, was ist erschütternd oder was trivial? Diese Entscheidung nimmt mir bei Twitter niemand ab. Selbstdenken erlaubt. Nimmt mir kein Roboter, kein Filter, kein Stoppschild ab. Auch keine Redaktion. Ãœberhaupt die „alten Medien“ – sie haben keinen selbstverständlichen Zugang zu Twitter- genausowenig wie der Feuerwehrhauptmann der Freiwilligen Feuerwehr in Vasenthien. Auch nicht die Medienspezialisten in den Medien sind nicht immer überall versiert und dabei. So geschehen gestern. Ich weiß gar nicht, wer da wem zuerst folgte – irgendwann hatte ich das Medienmagazin @ZappMM in meiner Leser-Liste (darin ist jeder sichtbar, der sich meine Meldungen ansehen will, könnte, wollte). Und weil mich Medien ja nun mal interessieren, habe ich mich in deren Leser-Liste eingetragen. Und dann kommt heraus, dass @ZappMM gar nix mit dem Medienmagazin …

Lebenslang + 70 Jahre – Urheberrecht vs Entwicklung

Urheberrecht – was für ein Wort. Es ist eines der schwierigsten juristischen Gebiete, betrifft gleichzeitig jeden kulturell interessierten Menschen und ist, gelinde gesagt, dringend überholungsbedürftig. Copyright und Internet stehen sich scheinbar im Weg. Die Interessen klaffen auseinander, mächtige Konzerne und arglose Nutzer geraten in die Mühlen einer Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners. Das Internet ist dabei weniger der Auslöser, als vielmehr nur ein Katalysator an dem lange aufgeschobene Aufgaben offensichtlich werden. Jedes kreative Werk ist geschützt: Lebenslang plus 70 Jahre. Warum diese Regelung eine Entwicklung in Kultur und auch in der Wissenschaft behindert? Eine unwahrscheinlich inspirierende Analyse von James Boyle, vorgetragen in der Royal Society for the encouragement of Arts, Manufactures, and Commerce. Leider in englisch aber unbedingt sehenswert!

Vernetzung und Bewertung

Das Ende von Web 2.0, weil das Netz an den selbsterzeugten, aber unbewerteten Beiträgen erstickt? Sehr interessante Gedankengänge zum wichtigsten Thema der Welt von Prof. Peter Kruse. Der Unternehmensberater hat eine ausgesprochen interessante Interview-Serie in YouTube veröffentlichen lassen. Diese Interview-Serie ist interessant für Menschen, die sich mit Komplexität im Zusammenhang mit Kultur, Lernen und Prozessen beschäftigen. Danke ans PM-Blog für den Hinweis.

Und dann kommt lange nichts!

Das regelmässige Veröffentlichen neuer Beiträge im Wespennest kam während der jüngsten Vergangenheit etwas kurz. Urlaub oder nicht – damit hat es entgegen meiner ersten Vermutung nix oder nur wenig zu tun. Tatsache ist, dass mein iPhone mehr Zeit frißt, als es spart. Zwar bin ich immer und überall online, aber: Neue Möglichkeiten wie das Twittern verdrängen das Bloggen vom Laptop aus. Das ist nicht negativ gemeint, sondern eher im Sinne von ‚Evolution‘ zu verstehen. Bloggen vs. Twitter Twitter selbst ist sozusagen eine öffentliche, dafür kostenfreie SMS. Nix für den Austausch von Intimitäten aber für das Publizieren von Statusmeldungen prima geeignet. Schnell und kurz schlägt ausführlich und ’schön‘ 1:0. Vielleicht schlägt das Pendel bald wieder in die andere Richtung aus. Vielleicht kommt aber auch lange nix.