Jahr: 2020

Eine Sache des Verhältnisses

In Lüchow-Dannenberg wohnen 48.455 Menschen. Seit dem 17. März leben wir im Landkreis mit Covid-19. Das sind bis heute 266 Tage. 202 Mitbewohner haben sich seither infiziert. 188 sind inzwischen offiziell wieder genesen. Heute wurde der 7. Todesfall seit dem 7. April vermeldet. Mit 14,44 Toten, hochgerechnet auf 100.000 Einwohner, liegen wir im Landesdurchschnitt noch vergleichsweise gut (16,6). Über die Zeit hat sich die Letalität reduziert. Sie liegt zur Zeit bei 3,46%. Das bedeutet: Je 100 Infizierten, sterben 3,46 Menschen in Lüchow-Dannenberg an der Seuche. Im November lag die Letalität es noch 3.57%.

Alles wie im Herbst

Mit etwas Glück – und weil es ja so schön weihnachtet, hoffen wir mal alle auf das Beste – stehen wir zur Zeit so gut da, wie im Mai. Damals dachten wir fast, es wäre so gut wie überstanden. Mit Pech stehen wir dort, wo wir zuletzt im September waren. Da hatten wir nach einem erschreckenden Peak der Sommerferien die 8.3er Inzidenz erreicht, um dann im Oktober ungeahnte Höhen zu erklimmen. Heute sind wir laut NLGA der einzig grüne Landkreis im Land. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum das Land Niedersachsen uns Lüchow-Dannenberger so weit wie sonst niemanden von den versprochenen Impfstoffen fern hält. Ein Glück, dass wir in Lüchow-Dannenberg nur wenige Mitglieder von Risikogruppen haben und die Versorgungseinrichtungen des Gesundheitswesens nur einen winzigen Bruchteil der werktätigen Bevölkerung ausmachen dürfte. Denn genau auf diese Gruppen sollen sich die Impfzentren in Niedersachsen fokussieren. „Uns muss auch klar sein, dass wir insbesondere zu Beginn der Impfphase von einer sehr begrenzten Zahl von Impfdosen ausgehen, sodass der Fokus zunächst auf den Risikogruppen und den Beschäftigten im Gesundheitswesen …

Planungssicherheit

Na, wer plant gerade die Weihnachtsfeier unter Corona-Gesichtspunkten? Die Familie lädt ein oder man wird eingeladen. Alle treffen sich drinnen und speisen, lachen und erzählen. Aber ist das eigentlich sicher? Für einige europäische Länder gibt es eine Entscheidungshilfe. Die Frage „wie hoch ist das Risiko, dass jemand in meiner Runde infiziert ist“ wird in Form einer Wahrscheinlichkeit bewertet. https://covid19risk.biosci.gatech.edu/ Für Deutschland ist das noch nicht möglich, aber Österreich, Frankreich, Italien und die Schweiz sind bereits aufgeführt. Have fun!

Zeitweise offline

Ich schulde jenen eine Entschuldigung, die sich über das Ausbleiben der jüngsten Zahlen in den Grafiken und Tabellen wundern. Leider ist es während der jüngsten Zeit nicht möglich, nach Feierabend das Internet zu nutzen. Lüchows Kabelnetz weist seit einigen Tagen massive Störungen auf. Wer mir auf Twitter folgt, hat das Drama mitbekommen. Heute morgen funktioniert es. Die Zahlen sind nachgereicht – solange bis das Netz wieder ausfällt.

Rechtlich Einwand Frei

Ladenbesitzer dürfen Hausrecht durchsetzen. Bei Rossmann traf ich neulich tatsächlich auf eine dieser unmaskierten Verweigerer*Innen. Sie bräuchte keine Maske tragen denn sie habe ein Attest, erklärte sie der Verkäuferin. Diese hatte sie sehr freundlich gebeten, ihren Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen. Und die Verkäuferin müsse wissen, dass die attestierte Dame das Attest auch gar nicht zeigen müsse und so weiter und so fort. Es fällt mir total schwer, bei dieser Form von „Widerstand“ nicht rot zu sehen. Gerade weil die Jura-Keule geschwungen wird, macht mich das wütend. Es wird soviel Quatsch erzählt und nachgeplappert, dass wirklich dagegen gehalten werden muss. Besonders gut ist der folgende Hinweis: Hausherren haben das Recht ein Foto eines renitenten Maskenverweigerers zu machen. Weder das Persönlichkeitsrecht oder das Recht am eigenen Bild können geltend gemacht werden. Was bei der Deckenkamera zur Dokumentation von Diebstahl gilt, ist auch für das Handyfoto bei Verletzung des Hausrechtes richtig. Und: Mit Maske wäre das nicht passiert und ja sowieso kein Problem.

Traurige, gegenläufige Entwicklung

Während die Inzidenz sich in der Region erfreulicherweise in die richtige Richtung bewegt, ist erneut ein Mitbürger aus Lüchow-Dannenberg gestorben. Damit steigt die Letalität oder „Sterblichkeit der Infizierten“ auf 3.57 %. Jüngst wurde festgestellt, dass die Verstorbenen im Wespennest und den zahlreichen Statistiken nur sehr versteckt aufgeführt werden. Das ist durchaus richtig beobachtet. Wie üblich versuche ich meine errechnete Zahl zu erklären: Die Letalität – also das Verhältnis von Infizierten zu Verstorbenen – berechnet sich (Zahl der Verstorbenen) / ((Zahl der Erkrankten)+(Zahl der Genesenen)+(Zahl der Verstorbenen)) * 100 (für heute also 5 / 140 * 100). Die Zahl der Infizierten umfasst sowohl Menschen mit als auch Menschen ohne Symptome. Leider kann ich zur Dunkelziffer derer mit asymptomischen Krankheitsverlauf nichts sagen. Das Gesundheitsamt hat dazu keine Zahlen oder Schätzungen in petto und wenn, dann nicht veröffentlicht (siehe auch CF’s klugen Kommentar in der EJZ).

Wenn Statistik lügen würde

Ich mag Prof. Drosten. Ich mag seine Art, Probleme anzusprechen und sich dabei zu positionieren. Ich mag seinen Umgang mit den Medien und ich halte ihn nicht für einen Heiligen. Nachdem das gesagt ist, möchte ich ein Video mit Euch teilen, das mir gestern Nacht via Twitter über die Timeline huschte. „I don’t want your hope. I want you to panic. I want you to feel the fear I do. Every day. And want you to act. I want you to behave like our house is on fire. Because it is.“ Greta Thunberg Wenn auch Ihr Euch die Frage stellt, warum Politik gerade so in Panik zu verfallen scheint: Dort hat man offensichtlich sich schon vor einiger Zeit mit Drosten unterhalten und nimmt seine Warnung ernst. Das Video startet bei Minute 27:53 und steigt ohne viel Einführung ein.