Podcast

Ein Podcast ist eine Serie von Hör- oder Videobeiträgen, die über das Internet geliefert wird.
Diese Serien können vom Empfänger quasi im Abo automatisch empfangen werden. Wann der Empfänger die Folgen abspielt bleibt  ihm überlassen – die Beiträge befinden sich schließlich auf dem heimischen Rechner als Datei. Er kann sie am Computer oder im MP3-Player hören, auf CD brennen oder einfach löschen.
Das Abonnieren eines Podcasts erfolgt über eine kleine, genormte Textdatei (Feed), die vom Poduzenten erstellt und laufend aktualisiert wird. Der Feed wird von speziellen Programm, den sogenannten Podcatchern oder dem normalen Intenetbrowser ausgelesen. Praktisch für den Empfänger: Sobald sich eine neue Folge verfügbar ist, wird der Abbonent informiert.


Aus medientheoretischer Sicht ist Podcasten etwas sehr spannendes. Der Hörer kann ohne großen Aufwand selbst zum Sender werden. Anders als beim Rundfunk ist dafür nämlich keine auwendige Technik und keine freie Frequenz nötig.

Wenn Empfänger zum Sender werden

Bertold Brecht hat es kommen sehen und dabei weit über den damaligen Horizont geschaut.
Den ‘Rundfunk‘ verstand er in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Möglichkeit, aus dem proletarischen (heute würde man sagen ‘konsumierenden’) Zuhöhrer einen aktiven Gestalter zu machen. Er sprach dem neuen Medium in seiner Radiotherorie sogar eine gesellschaftsbildende Rolle zu.
Dass Gesellschaft mit Medien verändert werden kann, haben kurze Zeit später vor allem die politischen Extremisten verstanden:
Sowohl in Hitler-Deutschland, als auch in der Sovjet-Union war das Radio von außerordentlicher Bedeutung. Aber zum ‘Sender’ wurde der Zuschauer trotz der ‘neuen’ Rundfunk-Technik nicht. Es war ein klassisches, billiges und reichweitenstarkes Massenmedium. Der Rundfunk hat die ihm von Brecht zugedachte Rolle nie erfüllen können.

Technik machts möglich

Die echte Chance, zum Sender zu werden, bekommt der Hörer erst mit dem Einsatz von DSL. Erst die hohen Übertragungsgeschwindigkeiten machen es möglich, Sprache vom Sender zum Empfänger zu übertragen.
Das tut der Brecht’schen Theorie keinen Abbruch. Denn noch immer gilt:

“Ein Mann, der etwas zu sagen hat, und keine Zuhörer findet, ist schlimm dran. Noch schlimmer sind Zuhörer dran, die keinen finden, der ihnen etwas zu sagen hat.”

B.Brecht

Der Weg zum Hörer


Dabei ist es nicht einmal mehr zwingend nötig, eine Website zu besuchen. Zwar kann der Hörer nach wie vor eine Internetseite im Browser aufrufen und dort an die Audio-Datei gelangen, es gibt aber auch Browserunabhängige Lösungen: Die nennen sich podcatcher und Die einfachste ist das direkte Abonieren über das Programm, in dem die Mp3-Dateien später auch abgespielt werden sollen.
Bei mir ist das iTunes. Das ist zwar von Apple, läuft dankenswerterweise aber auch auf Windows-Systemen.
Unabhängig ob über den Browser oder die Mediaplayer abgespielt, das Stück kommt relativ leicht und zur rechten Zeit zum Hörer.

Keine Zeit? Zeit genug?

Wann die rechte Zeit ist, kann der Hörer auf diese Art selbst entscheiden. Er kann den Beitrag herunterladen, auf seinem Computer, MP3-Player oder iPod speichern oder auf CD brennen.
Diese Freiheit genießen die regelmäßigen Hörer von Podcasts und sie ändern sogar ihre Hörgewohnheiten. Statt im Autoradio den Rundfunk zu hören, spielen sie Beiträger ihrer Wahl. Statt Musik kann beim Joggen auch ein MLP-Seminar gehört werden oder in der U-Bahn die neuesten Tipps zur Programmierung guter Websites.
Die Themen sind so bunt wie die Gelegenheiten, bei denen die Hörer ihre Beiträge konsumieren. Auch die Aufbereitung entspricht lange nicht den formatierten Beiträgen aus dem Radio. Sie sind wesentlich experimenteller, manchmal Kunst, manchmal Krempel: Interviews, Kommentare oder Kollagen. Gemacht wird, was gefällt.

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