Ein Gespenst geht um in Europa. Die Mär vom Zeitungssterben und von Verlagen, die den Sprung in die neue Onlinewelt nicht schaffen (können, oder wollen).

Hintergrund: Die Zeitungen leiden unter schwindenden Auflagen, die junge Leserschaft bleibt aus und der Wettbewerbsdruck im Werbemarkt ist enorm. Gleichzeitig kommen die Laien. Sie bloggen aus den Vereinen und dem Stadtgeschehen und sind damit schneller und oftmals authentischer als die vermeintlichen Medienprofis.

Online wird schon lange fleißig darüber diskutiert, welche Strategien die Zeitungsverlage einschlagen könnten. Denn eines ist sicher: Die Onliner sind nach wie vor an gutem Journalismus interessiert.
Nur: Den bekommen sie viel zu selten geboten.

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Zeitungen, wie wir sie kennen, werden vergehen. Schaut man sich eine beliebige Standard-Klein-Groß-Mittelstadtzeitung an, so findet man dort seitenweise die Agenturmeldungen, die man schon tags zuvor im Web gelesen hat. Warum sollte man das kaufen und lesen? Die große Chance, nämlich statt Agenturmeldungen originäre Berichte und Meinungen eigener Korrespondenten und Redakteure zu drucken, die über die reine trockene Agenturnachricht hinausgehen, nehmen die wenigsten wahr. Zu teuer.

Zeitung definiert sich also immer noch nach der Qualität der Geschichten, die sie für den Leser findet. Daran ändert die ‘schöne, neue Online-Welt’ nichts. Was bedeutet das für das Wendland und die EJZ?

Gerade für die kleinen Zeitungshäuser ist der Schritt in die Online-Welt doppelt schwer: Die geschrumpften Redaktionen arbeiten im eingespielten Ablauf. Viele Kollegen sehen im PC ein notwendiges Ãœbel. Keine Zeit für Zusatzaufgaben mit der Online-Ausgabe. Also werden Doubletten online gesetzt, was den eigenen Auftritt umso weniger attraktiv macht.

Und noch etwas macht es den kleinen Verlagen schwer: Sie kennen ihre Anzeigenkunden und die lassen sich nicht auf Experimente ein. Lokalzeitungen leben zu großen Teil vom lokalen Werbemarkt und der ist bei Google in der Regel nicht einmal vertreten – kein Pfennig zu verdienen.

Einen kleinen Schritt in die richtige Richtung ging – wie ich just gesehen habe – die Altmarkzeitung. Die gehört bekanntlich organisatorisch zur Allgemeinen Zeitung in Uelzen und steht damit unter der Verlagsleitung von Dirk Ippen.

Verleger halten sich ja eigentlich aus dem Tagesgeschäft heraus. Nicht so der rührige Münchner Ippen. Der ist unter die (unregelmäßigen) Blogger gegangen – wie gesagt: ein kleiner Schritt.

Richtiger wäre es, gleich noch den Audio- und Videomarkt zu erschließen. Wie das gehen kann, zeigt das Handelsblatt mit einer jungen wilden Garde von Profis, die bereit sind, für ihre Zeitung zu kämpfen. Auch hausintern.

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