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Stadtluft macht frei und Landluft?

Sie ist gesund, sollte sie jedenfalls sein. Weil nun die Stadtluft alles, aber nicht frei macht, könnte es sein, dass auch mit der Landluft nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, um im Bild zu bleiben.

Glücklich, wer Sonntags auch mal zwei legt.
...und sonntags auch mal zwei.

Bauer oder Industrieller? Dass die Flächen der Bauern immer größer werden müssen, um rentabel bewirtschaftet zu werden, scheint eine unausweichliche Wahrheit zu sein. Dass Schweine und Geflügel in immer größeren Betrieben gehalten werden, ist geübte Praxis aus der DDR und wurde stillschweigend in der Gesamtrepublik übernommen. Hühner und Schweine in Großställen – das war heute Thema auf dem Lüchower Marktplatz.

Wenn es um eine Antwort auf die Frage “Wie hältst Du es mit der industriellen Landwirtschaft” geht, schlagen zwei Herzen in meiner Brust:

Auf der einen Seite sehe ich den Verbraucher und dessen Wunsch nach immer mehr, immer billigeren Fleischprodukten, fettarm und vermeintlich gesund. Auf der anderen Seite steht das Wohl des Tieres und dessen verbrieftes Recht auf artgerechte Haltung.

Dazu kommen dann die Interessen des Landwirtes, der seit Generationen ein und denselben Boden bewirtschaftet und nicht anders kann, als weiterzumachen – sei es als Energielieferant, Teil einer Erzeugungswirtschaftskette, allgemein als unabhängiger Unternehmer auf der Suche nach seiner Niesche – oder aufzugeben. Seine Interessen sind durch Verwaltung und Politik zu schützen und abzuwägen mit denen der Nachbarn.

Ich maße mir nicht an, die Sachzwänge und Freiheiten des agrarischen Berufsstandes zu durchschauen. Ich bin aber skeptisch wenn eine unternehmerische Entscheidung das Wohl und wehe von Nachbarn oder Dorfgemeinschaft bestimmt. Wer als Landwirt oder Unternehmer seinem Dorf oder seiner Stadt nicht gut tut, muss sich fragen lassen ob und wie er vor Ort weiter leben und arbeiten möchte, wie er den Wertverlust von Lebensqualität oder von Immobilien der Nachbarn kompensiert. Ein “mir egal” ist eine unmoralische Antwort – so einfach ist das.

Aber auf der anderen Seite setze ich auf einen gesetzlichen Rahmen, innerhalb dessen die unternehmerische Freiheit gilt. Ich setze auf die Vernunft der Menschen, die über den eigenen Tellerrand hinausschauen und einen Interessenausgleich finden wollen. Mag sein, dass man mich darum für naiv hält. Ich gebe aber zu bedenken: Maximalforderungen nützen niemandem. Früher oder später wird man seinerseits mit einer Gegenwehr rechnen müssen und am Ende bleibt ein langes, mühseliges Gezerre um Positionen bei dem alle verlieren und nicht passiert außer Flurschaden.

Ich vermeide Billigfleisch. Dass ist meine Entscheidung als Verbraucher und mein konstruktiver Beitrag zur Debatte ob Huhn oder Ei zuerst da war.

3 Comments

  • 100% wirst Du nie erreichen können, aber mehrheitlich wäre ein realistisches Ziel.

    Es ist eine Frage des gesellschaftlichen oder/und wirtschaftlichen Druckes.

    Solange große Spieler wie in Warpke, Schnega/Bahnhof mit der konventionellen Landwirtschaft gutes Geld verdienen, wirst Du Ihnen mit Öko nicht kommen können. Zwang ausüben kann da nur der Verbraucher und der tut sich leider schwer mit der Entscheidung an der Ladentheke (oder am Marktstand). Wir landen bei der ganzen Diskussion immer wieder ganz schnell bei den Fördertrögen der EU-Landwirtschaftslobby… und sorry – da fehlt mir echt der Überblick und ehrlich gesagt auch die Lust, mich auf kommunaler Ebene darauf einzulassen. Tatsache ist, dass der Bauernverband mit Bio immer noch nicht viel anfangen kann – mit Biogas hingegen schon.

    Du siehst schon: Das Thema ist vertrackt und ich tue mich schwer, in greifbaren Sprechblasen drauf zu antworten. >.<

  • Mal angenommen das Wendland wäre in ferner Zukunft der erste Landkreis / Region in ganz Europa in dem die Landwirte zu 100% ökologisch und ökonomisch Landwirtschaft betreiben. In Kombination mit 100% regenerativer Energie und nachhaltigem Tourismus wäre das eine fast unschlagbare Marke mit weitreichender Wirkung. Alles nur Phantasie, oder doch eine mögliche Chance für die Region?

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