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Das freie Netz und die Cowboys

Je länger ich die netzpolitische Debatte in Deutschland verfolge – und das tue ich ja nicht nur als Blogger sondern auch durchaus in den Niederungen der Parteipolitik, innerhalb der Totholzindustrie und als politisch denkender Mensch – desto mehr bin ich davon überzeugt, dass wir uns in einer Phase befinden, die unsere Enkel ähnlich bewerten werden, wie der heute 40jährige westdeutsche Mann (man muss ja vorsichtig sein, auf welchen Wertekanon man sich beruft) den Gedanken an die Freiheit der Cowboys. Über grenzenlose Weiten treiben Unerschrockene die weidenden Heerscharen von Schützlingen in die gewünschte Richtung und erzählen sich abends am Lagerfeuer Geschichten von zu Hause. Immer mehr folgten seinerzeit und heute dem Ruf der Freiheit und des Ruhms. Man traf herausragende Schurken, Wilde und heldenhafte Sheriffs. Je nach Drehbuch und Faktenlage kann der Sheriff natürlich auch selbst der Schurke sein. Dem Reiz tut das heute wie damals keinen Abbruch. Den Cowboys folgten die Bars und das Geld, das Vergnügen (Whiskey und Mate) und das Leben bestand aus nix außer der ehrlichen Arbeit und Party. Dann kam – …

Lass mich in Ruhe lesen!

Nicht alles im Internet ist wirklich lesenswert. Umso schöner wenn es dann doch etwas gibt, das meine ganze Aufmerksamkeit einfordert. Doof, wenn die Aufmerksamkeit vom Lesestoff immer wieder abgelenkt wird. Ursachen gibt es viele: das blinkende Werbebanner neben dem Lesestoff, Überschriften, meistgelesene Beiträge und “das-könnte-Sie-auch-interessieren”-Bausteine. Für Firefox und Chrome habe ich eine Erweiterung gefunden, die es der “Reader”-Funktion in Apples Safari nachtut: Ein Klick auf einen Button im Browser und schon wird der Beitrag schön formatiert, in lesefreundlicher Schrift und (nicht zu vernachlässigen) Schriftgröße. “Clearly” zeigt mir den Text, und nur diesen lesenswerten Text an! Erfreulich, dass sich diese Erweiterung auch mit Evernote verträgt (genauer gesagt, steckt dieser Service sogar hinter Clearly). Das bedeutet, ich kann den spannenden Lesestoff ggf meinem virtuellen Notizbuch zufügen.

Mal was in eigener Sache!

Als vor kurzem in den USA ein Gesetzespaket zurück in die Ausschüsse verwiesen wurde, berichteten sogar die regulären Massenmedien an prominenter Stelle – was bei vielen meiner Bekannten als “Internetstreik” hängen geblieben ist. Was die wenigsten mitbekommen haben: Im Dezember wurde auf europäischer Ebene einem Vertrag zugestimmt, der ähnlich weitreichende Folgen für das Internet und seine Nutzer haben wird. Das Stichwort lautet Acta.

AW: So gesehen Zugemüllt

Ich mag meine EJZ. Sie ist kritisch, aktuell und in der Regel gut informiert. Sie ist das, was Jens Feuerriegel in seinem Kommentar am 20. September zu Recht einen “Gatekeeper” nennt. Als Schleusenwärter sehen Redaktion und Verlag der EJZ zahlreiche Themen und Aspekte von Themen an sich vorbeiziehen und entscheiden, was der wendländischen Informationsgesellschaft als Wasser auf die Mühlen gerät. Diese Schleusenwärter haben ein Großthema allerdings ausgespart: das Internet. Dieser Nachrichtenkanal hat inzwischen für eine solche Flut von Informationen gesorgt, dass der Gatekeeper Feuerriegel sich zu einem Kommentar genötigt sieht. Damit offenbart er, wie hoch das Wasser steht. Feuerriegel befindet sich in guter Gesellschaft. Wie den großen Tageszeitungen fehlt auch der EJZ ein rechter Zugang ins Netz. Anders als den anderen großen Verlagen ist es der EJZ bislang erspart geblieben, sich den Irrungen und Wirrungen der Moden, die das Internet nun einmal bestimmen, hinzugeben. Es gibt keine Diskussionskultur außerhalb der lesenswerten Leserbriefseite. Es gibt keine E-Paper-Version, kein nenneswertes Archiv, keine Video-Varianten und keine Podcasts der aktuellen Berichterstattung. Das kann durchaus wohl überlegt sein und vielleicht …