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Blogs sind in Deutschland zwar noch immer eine Randerscheinung, trotzdem besitzen sie schon heute eine gewisse Macht.

Welche Sachen gerade ganz heiss diskutiert werden, zeigt die spezielle ‘Blogsuchmaschine’ Technorati auf den ersten Blick.

Auf der Startseite werden die Top-Suchbegriffe des Tages eingeblendet und mit etwas Mühe kann man auch die Entwicklung des Themas im zeitlichen Verlauf nachvollziehen. Ein Feature das ich an Technorati sehr mag, bietet es doch reichlich Platz für Ablenkung. Vielleicht macht es sogar Sinn, sich damit näher auseinander zu setzen, auch wenn Statistiken bekanntlich per se manipulativ sind.

Ein Zeichen für die zunehmende Bedeutung der Bloggs auf Unternehmen zeigt eine Artikellavine, die derzeit ein hoffnungsvolles Start-Up unter sich begräbt: StudiVZ ist der Name einer Studentencommunity-Site a’la Xing und Co.

Die hatte ganz im Stil der DotCom-Ära eine glamoröse Erfolgsgeschichte. Wer als Student etwas auf sich hielt, hinterlegte bei StudiVZ sein Profil und tauschte sich innerhalb der Website mit anderen Studenten aus. Social-Software heißen solche Projekte. Sie füllen sich mit Inhalten, die von den Benutzern (den Usern) selbst erstellt werden. Profile, Bilder, Musik, Videos – erlaubt ist, was der Zielgruppe gefällt.

Vor wenigen Wochen tauchten Gerüchte auf, die Sicherheitslücken in der Software anprangerten, das persönliche Verhalten der Betreiber in Zweifel zogen und damit nahm die Geschichte ihren Lauf. Inzwischen führt StudiVZ die Technorati-Hitliste zum zweiten Mal in Folge an. Ein Ende der Diskussion ist noch nicht in Sicht.

Technorati eignet sich, um die Diskussionsschübe von größeren Skandalen nachzuvollziehen. Die Suchmaschine auf das Durchsuchen von Blogs optimiert und in der Szene geschätzt. Viele Blogs (auch dieses) bemühen sich, möglichst kompatibel zum Technorati-Algorythmus zu bleiben.

Die Suchmaschine bedankt sich, in dem die unübersichtliche Blogszene in Cluster von ‘Anerkennung’ geordnet werden.

Verlinkung durch andere Blogs bedeutet Reputation oder wie die Amerikaner sagen: authority. Wer ‘a lot authority’ bescheinigt bekommt, wird oft zitiert. ‘Some authority’ erhalten Blogs, die auf deutlich weniger aber immer noch ausreichend häufige Verlinkung verweisen können. Der große Rest ist mit ‘a little’ oder schlicht ‘any authority’ eine eigene Gruppe: the long tail.

Den bekam dort bis gestern Abend ‘Seinfeld‘-Star Michael Richards ins Genick.

Posts that contain “michael Richards” per day for the last 10 days.

Denn verzeichnete Technorati am 20. November die ersten Ausschläge zum Stichwort ‘Michael Richards’ von zumindest einem Blogger mit ‘Any authority’, meldete die Suchmaschine einen Tag später, am 21. November, schon mehr als 800 Blogeinträge Kategorien zum Thema. Auch in Deutschland was das Thema angekommen.

Erst am 22. erreichte das Thema auch die oft zitierten A- und B-Blogger. In diesem Momoent explodierte der Umfang der Posts in Blogs und der YouTube-Videstatements.

Soweit, so anders die Fälle. Während der Star trotz heftiger rasisstischer Ausbrüche auf offener Bühne bereit nach 4 Tagen wieder aus der Top-Ten-Search-List raus war, verharrt StudiVZ dort immer.

Und die Lehre?
Die Dynamik stellt alles bisher da Gewesene in den Schatten und ich bin gespannt, welche Mittel und Wege aus solchen Statementlavinen herausführen können. Das Gegenblog ist wohl wenig geeignet wie das Beispiel von StudiVZ zeigt.

Ob der frühzeitiger Gang nach Canossa (zeitgemäßer ist ein ‘Mea Culpa’ in den großen TV-Shows) demnächst wieder in Mode kommt? Die große Welle scheint in den USA jedenfalls abzuflauen.

Abwarten und Tee trinken.

2 Comments

  • Ja das bleibt zu hoffen.

    Ich bin aber davon überzeugt, dass Suchmaschinen ihren Zenit überschritten haben oder kurz davor sind.

    Die Suche nach Stichworten ist inzwischen effizienter über del.icio.us oder technorati zu bewerkstelligen als via google.

    Das Monopol für fällt bestimmt, früher oder später – und das nächste wird kommen. Bestimmt :-)

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